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Endlich mal Wind - noch mehr Wind - ganz viel Wind - - zu viel Wind - - - "Jeanette". Das war am Wochenende 26./27.10.2002. Tief "Jeanette" bedeutete "Orkan" lt. Wetterbericht über weiten Teilen Deutschlands. Das versprach wenigstens mal ein bisschen Wind auch auf unserem tiefgelegten Max-Eyth-See. Am Samstag nachmittag mit der MIC MAC bei kräftigem, aber nicht stürmischen Wind einen Vorgeschmack geholt. Am Sonntag vormittag in den Keller abgesetzt und noch schnell ein kleineres Vorsegel zum bereits vorhandenen Mini-Großsegel der H2O-FLOH gefertigt. Dann nachmittags voller Erwartung mit gesetzten Sturmsegeln raus an den Teich. Der ist aufgewühlt. Der kleine mobile Windmesser zeigt tatsächlich in einzelnen Böen immerhin 6 - 8 Bft. (max. 66 km/h), und das sogar auch recht dicht über der bewegten Wasseroberfläche. Zwischen diesen Böen waren es dann ziemlich konstante 4 - 5, selten mal bis 2 abflauend. Der "Wasserfloh" flattert erbärmlich in beiden Händen - gleich bricht der Kiel oder es ratscht in den Segeln (aus Mylar-Folie). Also schnell ins Wasser geschubst und ab damit.
Nach knapp einer Stunde reißt der am neuen Fockbaum verlegte Vorliekstrecker und beendet damit das wilde Tun. Einigermaßen rechtzeitig, denn es frischt jetzt zunehmend noch weiter auf, die Böen reißen jetzt vereinzelt Wasserwirbel von den Wellen und fliegen damit über den Steg. Das ist weder fuer die Kamera als auch fuer den Sender so toll. Eine der dort festgemachten Jollen kentert - ohne Segel! Es wird damit ungemütlich.
Fazit:
Das Boot ist jetzt gut gewaschen - bis zur Mastspitze sozusagen. Trotz diverser Tauchgänge hat sich nur ein volles Tempotaschentuch Wasser ins Innere geschlichen. Die fünf ungewollten und heftigen Rumser in die Steganlage haben auch keinen Schaden hinterlassen. Und sogar zum einhand Bilder machen hat es gelangt.
"Richtig" Segeln war auch möglich! Waehrend eine MM mit Standardsegeln hier völlig steuerloses Treibplastik gewesen waere, war mit den eingesetzten niedrigen Segeln (der derzeit kleinste Segelsatz aus meinen Segelvorschlägen) das kleine Boot tatsächlich bis 5 Bft. weitgehend kontrollierbar zu segeln! Wenden klappten meistens, Halsen auch. Das Boot konnte sich einige Male auf eine Welle setzen und ganz nett dann davonrauschen. Auch ohne Wellenunterstützung waren Surfstrecken drin. Kam allerdings dann so ein Böen-Hammer übers Wasser gefegt, half nur Treiben lassen. Bei über 5 Windstärken ist das Boot dann doch einfach zu leicht, um noch Widerstand leisten zu können und es wird von Wind und den dann überraschend schnell sich aufbauenden Wellen zu einem hilflos treibenden, flachgelegten, vibrierenden Stück Plastik. Ob da dann noch kleinere Segel etwas gebracht hätten, wage ich zu bezweifeln - aber der Versuch steht noch aus....
Zum Glück konnte man diese "out of control" Böen zumeist gut erkennen und das Boot vorher in Richtung Seemitte schicken. Meistens jedenfalls. So kam es zu keiner Strandung im Gebüsch (aber eben im Steg). Dann hieß es eben abwarten, bis der Hammer meist kurz darauf wieder nachließ. Was manchmal allerdings etwas lange dauerte......
Segeltechnik:
Segel am Baum sehr bauchig eingestellt, Fock etwas dichter als sonst üblich (die zusätzliche RC-Focktrimmung ist schon was wert...), Großsegel mit deutlicher Verwindung. Bei dichtgeholten Segeln die Trimmung geöffnet, die Bäume stehen so ca. 15 ° . Das reicht, dichter holen bringt nur Krängung und keine Fahrt voraus - wohl aber seitwärts.
In den Hammer-Böen wurden die Segel etwas weiter gefiert, ganz fieren bringt nichts - bei bis zu 80° Lage liegen die auf dem Wasser auf. Die Wenden brauchen Schwung, damit das Boot nicht von einer Welle oder eben dem Wind mittendrin oder auch bereits im Ansatz gestoppt wird. Was ab und zu passierte. Dann half manchmal noch Gegenruder, um das rückwärts treibende Boot auf den gewünschten Kurs zu drehen. Für solches Wetter ist das vorhandene etwas flächenreduzierte Ruder nicht so gut, die Originalfläche gibt mehr Kontrolle. Das Großsegel könnte unten noch ca. 15 mm niedriger geschnitten sein.
Das hat Spaß gemacht! Eigentlich sogar mehr als der ganze Rest der Saison mit der ewigen Leichtwindsegelei. Die kleinen Segel haben sich damit fuer mich bereits gelohnt - denn so eine Segelei wäre ohne diese Ausruestung sonst nicht erlebbar gewesen.
Wann kommt die nächste "Jeanette"?
Text von Thomas Dreyer
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